Wirtschaftsinformationen über Algerien

Hafen Algier Bild vergrößern (© Deutsche Botschaft Algier)

Die algerische Volkswirtschaft ist staatlich dominiert und basiert zu einem großen Teil auf den Einnahmen des Hydrokarbonsektors. Öl und Gas machen Schätzungen zufolge ca. 98% des Gesamt-Exportvolumens aus, generierten bislang etwa 60% der Staatseinnahmen und trugen zu etwa 27% zum Bruttoinlandsprodukt bei. Aufgrund des seit Mitte 2014 währenden Ölpreisverfalls ist jedoch eine deutliche Eintrübung der wirtschaftlichen Situation eingetreten. Die Deviseneinnahmen des Landes sanken in Folge des niedrigen Ölpreises um 44%, während die inländische Binnennachfrage weiter stieg und die Exporterlöse zusätzlich schmälerte. Aufgrund der hohen Bedeutung der Erdöl- und -gasexporte für Algerien, sind kontinuierliche Investitionen sowohl in Bezug auf die Infrastruktur als auch auf die Erschließung neuer Vorkommen unerlässlich, um die bisherigen Fördermengen aufrechtzuerhalten. Das Wachstum des Öl- und Gassektors bleibt jedoch seit mehreren Jahren hinter dem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts zurück. Die letzten Bieterrunden für die Ausschreibung von Explorations- und Förderlizenzen stießen auf eine geringe internationale Resonanz. Ein niedriger Ölpreis schmälert zudem die wirtschaftliche Attraktivität von neuen Vorhaben.

Die Handelsbilanz wies in den ersten neun Monaten des Jahres ein Defizit von etwa 9 Milliarden USD auf, während im gleichen Vorjahreszeitraum noch ein Überschuss von 4,32 Milliarden USD erwirtschaftet wurde. Viele Konsum- und Investitionsgüter muss Algerien aus dem Ausland importieren. Algerien wird voraussichtlich im Jahr 2015 ein Leistungsbilanzdefizit von geschätzten 15,7% verzeichnen. Die Arbeitslosigkeit wird geschätzt bei 11,8% liegen und damit um 1,2% höher  als im Vorjahr. Die Inflationsrate stieg für die Haushalte spürbar an und lag im September 2015 bei 5,3%.

Aufgrund der zufriedenstellenden wirtschaftlichen Entwicklung der Vorjahre, die der IWF Algerien bescheinigte und die durch einen hohen Ölpreis, eine starke private Nachfrage, staatlichen Investitionen und eine verantwortungsvolle Geldpolitik gekennzeichnet war, verfügt die Regierung in der Wirtschaftskrise über finanziellen Handlungsspielraum. Die Bruttoaußenverschuldung ist mit geschätzten 4,1 Mrd. USD vernachlässigbar. Algerien verfügt über beachtliche Devisenreserven in Höhe von 159 Mrd. USD zum Halbjahr 2015. Diese schrumpften damit allerdings innerhalb eines Jahres um geschätzte 34 Mrd. USD. Die Entwicklungen könnten mittel- und langfristig die bisher starke Auslandsposition Algeriens schwächen.

Die algerische Regierung begegnet diesen Herausforderungen mit Spar- und verschiedenen Einzelmaßnahmen, die vor Allem auf die Reduzierung der Importe und die Förderung der lokalen Wertschöpfung durch Unternehmen abzielen. Auch die vom IWF langjährig bemängelten Defizite in der Wettbewerbsfähigkeit, bürokratische Hindernisse sowie der geringe Grad an wirtschaftlicher Diversifizierung und damit die Abhängigkeit von den Erdöl- und –gasexporten sind Themen, die im Zentrum der aktuellen Wirtschaftspolitik stehen.

Premierminister Sellal und Staatspräsident Bouteflika mahnten zuletzt zu einer verantwortungsvollen Nutzung der nationalen Ressourcen. Subventionskürzungen erfolgten mit dem Haushalts- und Finanzgesetz 2016 in den Bereichen Kraftstoff, Strom und mobile Telekommunikation. Während in der Vergangenheit massive Investitionsprogramme durchgeführt wurden, sind noch nicht begonnene Vorhaben vorerst eingefroren. Projekte von strategischer Bedeutung – wie etwa der Bau eines neuen Hafens westlich der Hauptstadt – werden jedoch weiter vorangetrieben.

Das neue Haushaltsgesetz beabsichtigt die Schaffung eines verbesserten Zugangs von privaten Unternehmern zu wirtschaftlich nutzbarem Boden um dort Industriezonen zu errichten und zu betreiben um neue, junge Industrien zu fördern. Zur Verfügung stehendes Kapital soll mobilisiert, der informelle Sektor in einen dynamischeren Finanzmarkt integriert werden. Durch höhere Produktivinvestitionen soll Wirtschaftswachstum generiert werden. Des Weiteren werden vereinfachte Steuerprozeduren sowie ein verbesserter Zugang zum Finanzmarkt angestrebt. Auch die Einführung eines Konsumentenkredits der für den Erwerb von lokal produzierten Gütern genutzt werden kann, soll die lokale Wirtschaft stimulieren.

Seit Anfang 2016 hat Algerien für bestimmte Produkte Handelsbeschränkungen in Form von Importlizenzen eingeführt, die nach einem vorgegebenen Verfahren von den Unternehmen beantragt werden müssen.

Algerien setzt zur Diversifizierung seiner Wirtschaft auf die lokale Wertschöpfung von Unternehmen, die bereit sind, sich mittel- und langfristig zu engagieren, beispielsweise durch eine lokale Produktion oder Aktivitäten im Bildungsbereich. Der Bereich der Partnerschaften mit ausländischen Unternehmen unterliegt aber nach wie vor komplexen Regulierungen. Die 2009 geschaffene Regelung, nach der ausländische Investoren lediglich eine Minderheitsbeteiligung in Höhe von maximal 49 % innehaben dürfen, während den algerischen Partnern stets die Mehrheitsbeteiligung verbleibt, ist weiterhin in Kraft.

Als prioritäre Sektoren nannte der Premierminister zuletzt die Industrie, Landwirtschaft, Petrochemie, Tourismus und Kommunikationstechnologie. Der neue nationale Entwicklungsplan zu erneuerbaren Energien konkretisiert die technologiespezifischen Ausbauziele für den Zeitraum 2015-2030. Im Elektrizitätsbereich ist bis 2030 die Schaffung von 22 GW an erneuerbaren Energien vorgesehen. Damit würde Algerien 27% der Elektrizität auf der Basis von erneuerbaren Energien erzeugen.